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Leichenschmaus

Abstrakt

Eine Gruppe von max. sechs Personen trifft sich im Restaurant um zusammen ein abendländisches Mahl einzunehmen. In der dem Essen innewohnenden Dramaturgie wird der Gast mit dem Abendmahl in die abendländische Esskultur eingeführt und sukzessive in eine Choreographie des Terrors verstrickt.

Einführung

Das Essen möchte ich mit dem Brauch des Leichenschmauses verbinden und zu einem Gedenken an die Toten in der Gewaltspirale um den 11. September laden. Mithilfe von Medienbildern, welche im Schatten des Weines sichtbar gemacht werden, wird das Geschehen erneut wachgerufen. Die Situation des Essens, im speziellen beim Auswärtigenessen mit Freunden, begreife ich als eine kommunikative, wodurch das Gesehene und Erfahrene diskursiv mit den Anderen erkundet werden kann. Dabei erhoffe ich mir, dass die Gäste kontroverse Diskussionen führen um dadurch zu neuen Sichtweisen zu kommen.
Dies ist ein Versuch Bilder neu erfahrbar zu machen, gerade weil wir mit den Bildern des Grauens tagtäglich konfrontiert werden. Da dies aber auch eine Steigerung des Grauens bedeutet, kann es in letzter Konsequenz zu einer erneuten Abstumpfung der Wahrnehmung und Verharmlosung der Bilder führen. Dennoch sehe ich es als ein spannendes Feld an, welches ich in diesem Aufbau erkunden möchte.

Konzept

In der abendländischen Kultur des Essens kann unser Schöpfungsmythos auf vielfältige Art und Weise vorgefunden werden, zum Beispiel durch die das anfängliche entzünden der Kerze (es werde Licht), das Aufrufen des Abendmahles (Wein und Brot), die Kursfolge in Folge des Schöpfungsgeschichte (Meer, Land, Fische, Vögel, Landtiere, Schöpfungen des Menschen) oder durch das Aufrufen der Dreifaltigkeit (Drei Gänge Menü). Mit diesen Metaphoriken möchte ich in dem Dinner mit dem Titel „Leichenschmaus“ umgehen und in diese eine Geschichte des Terrors und des Krieges einbetten.

Dabei nutze ich die Metaphorik des Schattens, welcher nach Plato auf das Abbild verweist und in dem nach Freud das Unbekannte, Unbewusste und Unheimliche zu finden ist. Da es bei dem Schatten, der nun erforschbar gemacht werden soll, um den Schatten des Weines handelt, kann dem Schatten eine weitere Bedeutungsebene hinzugefügt werden. Dies soll durch das anfängliche erforschbar machen des Abendmahles erfolgen. Dadurch soll es dem Betrachter möglich sein, den Wein und das anfängliche verzehren des Brotes, mit dem Abendmahl in Verbindung zu bringen und schafft die Verknüpfung des Weinschattens mit dem Schatten Jesu, welcher in der Erzählung um denn 11. September, des Terrorismus und der Intervention im Irak oft Auftaucht. Dies können politisch motivierte christliche Reden von G.W. Busch sein, wie auch Folterpraktiken, welche auf den Bilden von Abu Ghraib zu sehen sind.

Der weitere Ablauf des Essens ist der medialen/kriegerischen Dramaturgie des Konfliktes angepasst. Der offensichtliche Konflikt beginnt mit dem Anschlag auf dem 11. September und geht mit einer Tischrede in die Einführung der „Achse des Bösen“ über. Danach werden Bilder des Irak Krieges zu sehen sein, wobei der Folterskandal von Abu Ghraib zum Hauptgang serviert wird. Beim lesen der Bilder ist zu sehen wie christliche Symbole in der Folter repliziert werden und wie die Gefolterten mit diesen Symboliken erniedrigt werden. Daher sehe ich gerade diese immer wieder verdrängten Bilder sehr stark verbunden mit der Schattenmetaphorik des Weines.
Da diese Bilder im Hauptgang gezeigt werden, können sie auch mit dem Essen selber in Verbindung gebracht werden, denn auch der Verzehr des blutigen Steaks ist der Gewalt sehr nahe. Dadurch erhoffe ich mir eine Steigerung des Grauens und möchte den Betrachter näher an die Bilder und deren Bedeutung bringen. Bilder an deren Existenz  wir uns schon sehr gewöhnt haben und welche uns nach Susan Sonntag immer mehr abstumpfen lassen, sollen wachgerufen und dadurch neu verhandelbar werden.

Beim Dessert soll dann der Raum gegeben werden, das Aufgenommene und Erfahrene zu reflektieren und sich mit den Anderen am Tisch auszutauschen. Dabei wird ein Molekulares Dessert angefertigt, welches unter anderem Apfelkaviar beinhaltet. Der Apfel, als ein Symbol der Schöpfungsgeschichte soll dabei nicht mehr als etwas natürliches sondern als künstlich Hergestelltes wahrgenommen und erfahren werden. In der Metaebene sehe ich dort die Möglichkeit einer dekonstruktion der Schöpfungsgeschichte, welche nicht unbedingt nachvollziehbar sein muss, denn der Raum soll den Betrachtern gelassen bleiben, die nun die Möglichkeit haben, den dargestellten Konflikt, in der Gemeinschaft zu diskutieren.

Grober Ablauf/ Aufbau

Der Tisch ist Gedeckt und die Gäste kommen zu Tisch. Der Aufbau ist klassisch, bürgerlich es wird ein klassisches 3 Gänge Menü (Brot & Suppe, Hauptgang, Dessert) serviert. Auf dem Tisch sind Wein-, Wassergläser wie auch Besteck und eine Kerze. Nach der Ankunft der Gäste wird die Kerze am Tisch entzündet so dass alle Gegenstände einen Schatten auf den Tisch werfen.
Alle Gegenstände befinden sich zu Beginn auf den Positionen der klassischen Tischordnung. Werden die Weingläser von der vorgesehen Position entfernt, so werden in dem Schatten der Weingläser, Bilder sichtbar. Diese Informationsebene / Landschaft ist zeitlich an den Ablauf des Dinners gekoppelt und kann von den Gästen immer wieder neu erforscht werden.


*Entzünden der Kerze
      
*Brot und Wein
    -Bild des Abendmahles

*Suppe
    -Bilder/Videos vom 11. September

*entremets Rede von George W. Busch

*Steak mit zwei Beilagen
    -Bilder/Videos von der Intervention im Irak

*Molekularer Nachtisch
    -monströse Menschen Bilder

Die Örtlichkeit

Seit einiger Zeit betreibe ich mit Florian Lange den Rodeo Club. Ein Verein mit dem Ziel die Mitglieder zu vernetzten und zu einem Austausch zwischen Künstlern und verwandten Sparten zu kommen. Dies wird mithilfe einer Vereinsversammlung einmal die Woche realisiert. Dabei werden die Vereinsmitglieder zu einem Vereinsessen geladen, wo sich die Mitglieder  kennen lernen können und sollen. Anlass zur gemeinsamen Kommunikation bietet das Rahmenprogramm (Ausstellungen und Events) wie auch das gemeinsame Essen mit noch unbekannten am Tisch. In diesem Kontext soll der interaktive Tisch inmitten der anderen Tische platziert werden. Wobei der Interaktive Tisch, durch seinen klassischen Aufbau herausragt.

Der Schatten des Weines

Dadurch dass wir mit jedem etwas förmlicheren Abendessen die Metaphorik des Abendmahles aufrufen, wird die Kerze Metaphorisch zur Er- leuchtung und der Wein zum Blute Jesu, womit
der Schatten des Weines im Licht der Erleuchtung, für das stehen kann was wir vielleicht mit Gott- losigkeit bezeichnen würden. Daher sehe ich den Schatten als das negativ, der positiven Matrix, welche uns durch die christliche Ursprungs- erzählung vorgegeben ist.


Interaktion in der Bildebene

Verbunden mit der Metaphorik des Schattens möchte ich in dem Schatten des Weines Bilder der Gewalt und des Abnormen zeigen. Dazu wird das Glas zum Eingabemedium welches durch verschieben, Bildausschnitte sichtbar und somit erforschbar macht. Der Tisch wird zu einer sich immer verändernden Landschaft, welche im zeitlichen Ablauf des Dinners immer wieder neu erkundet werden kann.
Zur Ansicht, ein kurzes Video in dem die Interaktion demonstriert wird.

Abendländische Essensriten

In diesem Abschnitt möchte ich für mich wichtigen abendländischen Rieten kurz erläutern und die wichtigsten Werkzeuge kurz analysieren. Dabei verweise, verlinke ich auf Texte welche die Geschichte näher betrachten und in der Sektion Hintergrundtexte gesammelt vorliegen. Dabei zeige ich zum Grossteil Riten auf, welche aus dem Adel stammen, betrachtet man andere gesellschaftliche Schichten, wie auch Regionen, so wird vieles anders aus sehen.

Im 18. Jahrhundert setzte sich in mittel Europa eine Essenskultur durch, welches unter dem Namen à la française bekannt wurde, und sich von älteren aus dem Mittelalter und der Renaissance heraus entwickelte. Man begann das Essen, wie heute noch mit einem guten Glas (Krug) Wein und einem Stück Brot, was einen sehr schnell an das Ritual des Abendmahles erinnert. Weiter as man sich, im Lauf der sich etablierten drei Gänge, welche wiederum an die Dreifaltigkeit erinnern,  durch die Schöpfungs- geschichte. Suppe (Meer), Fisch, Salat, Flugtiere, Landtiere und zu guter letzt die Schöpfungen des Menschen wie kunstvolle Süßspeisen und Käse. Im weiteren Verlauf der Geschichte änderte man die Art und Weise wie man das Essen platzierte und ging dazu über die einzelnen Gänge, portioniert auf Tellern zu servieren, was der Herkunft nach a la russe genannt wurde. In heutigen bürgerlichen Essensritualen hat sich die Dinnerfolge im groben weiterhin gehalten. Wir zitieren zu beginn das Abendmahl, und gehen von der Vorspeise (Suppe, Salat) über den Hauptgang (Fleisch und zwei Beilagen) zum Dessert (Süßspeise). Auffällig wird im Mikrokosmos des Hauptgangs ein weiteres Zitat auf die Dreifaltigkeit (Fleisch und zwei Beilagen).
Die ist wohlgemerkt die simpelste der möglichen Kursfolgen, welche nach belieben durch hinzugefügte entremetsentrées oder hors d` ouevres erweitert werden kann. Beständig bleibt zumeist die Erzählung des Abendmahles, die der Schöpfungs- geschichte wie auch das Prinzip der Dreifaltigkeit (overture, climax, sweet final).